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WhatsApp und Facebook Messenger: Aktive Nutzerzahlen für Deutschland

05.01.16 08:45 / von Ben Ellermann

Digitaler Kundenservice bedarf in der strategische Auseinandersetzung Kennzahlen verschiedener Social Media und Messaging Dienste. Insbesondere für den deutschen Markt im Speziellen wird das regelmäßig zur Herausforderung. Die Netzwerkbetreiber geizen zum Teil erheblich mit der regelmäßigen Veröffentlichung von Nutzungsstatistiken o.ä.

Derzeit ist die Umsetzung von Kommunikationskonzepten im Bereich digitales Marketing und digitaler Kundenservice via WhatsApp ein Hype-Thema. WhatsApp ist dabei als bekanntester Kanal eher als pars pro toto für Mobile Messaging als Ganzes zu sehen. Durch erhebliche Schwierigkeiten rund um Nutzungsbedingungen und fehlende offizielle Schnittstellen, sowie zumeist eher fragwürdig gestaltbare Customer Journeys beim Einsatz von WhatsApp, lohnt sich die Auseinandersetzung mit Alternativen. Wir nähern uns mit einigen unserer Kunden mittels proprietärer Messaging-Lösungen als Bestandteil von existierenden Apps dem Thema Mobile Messaging. Für andere Projekte schielen wir sehnsüchtig in die USA auf den Facebook Business Messenger, den wir hoffentlich Anfang 2016 endlich auch in Deutschland verwenden können.

Für letztere Entwicklung stellt sich die Frage, wie hoch die Marktanteile der beiden Messaging Dienste aus dem Zuckerberg Imperium in Deutschland sind. Der Statistik Dienst Statista veröffentlichte unlängst eine Infografik zur Messengernutzung in Deutschland. Die Werte entstammen einer Befragung von über 1.000 Internetnutzern des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Konkret wurde die Frage gestellt: „Welchen der folgenden Messenger bzw. Kurznachrichtendienst(e) nutzen Sie privat hauptsächlich?“

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Leider wurde der Facebook Messenger bei der Befragung nicht berücksichtigt. DIVSI gibt dazu an: „Wir haben uns auf reine „Telefonmessenger“, also Messenger die nur auf die Telefonkontakte zurück greifen, beschränkt.“ Der Facebook Messenger lässt sich allerdings auch als reiner Kommunikationskanal für die private Kommunikation auf Facebook nutzen und weicht von dieser Definition ab. 

Was jetzt kommt ist methodisch nicht sauber und eher als ein „strukturiertes Orakeln“ zu verstehen. Als Tendenz für den Vergleich der Verbreitung von WhatsApp und Facebook Messenger sollte es aber taugen.

Verschiedene Quellen sprechen davon, dass 35 Millionen Deutsche bei WhatsApp aktiv sind (z.B. Horizont). Für den Facebook Messenger liegen keine Nutzungszahlen für Deutschland vor. Wir wissen aber aus Facebooks Quartalsbericht Q3/2015, dass weltweit 700 Millionen Nutzer aktiv den Messenger verwenden. Außerdem wissen wir, dass wir im Mai 2014 28 Millionen aktive Facebook Nutzer in Deutschland hatten. Geht man von einer, durch die Sättigung bei der Durchdringung der Bevölkerung begründete, leicht fallende Wachstumstendenz aus, erscheint es plausibel, für den Mai 2015 von 32 Millionen aktiven Deutschen Facebook Nutzern auszugehen. Aus den internationalen Nutzungszahlen im Q3/2015 ergibt sich ein Nutzungsverhältnis von 45,16 %, d.h. 45,16 % der aktiven Facebook Nutzer weltweit nutzen auch den Messenger aktiv. Mit unseren 32 Millionen aktiven deutschen Nutzern und diesem internationalen Verhältnis, kommen wir auf 14,45 Millionen aktive Facebook Messenger Nutzer in Deutschland. Im direkten Vergleich schaut das dann so aus. Aktive Nutzer von WhatsApp und dem Facebook Messenger in Deutschland

Wenn wir die Ausgangsgrafik von Statista zur Messengernutzung in Deutschland um den Facebook Messenger ergänzen wollen, wird es methodisch noch unsauberer. Wir stellen hier die Präferenzabfrage des am meisten verwendetsten Messengers ins Verhältnis mit der Hochrechnung aktueller Nutzerzahlen eines Netzwerks, das bei der Präferenzabfrage nicht berücksichtigt wurde. Dabei bleibt insbesondere das Multihoming, also die Verwendung von mehreren Messengern unberücksichtigt. Ignorieren wir diese Faktoren, haben wir bestenfalls eine illustrative Schätzung des Messaging Markts in Deutschland.

Verbreitung von Instant Messengern wie Facebook Messenger und WhatsApp in Deutschland

Fazit

Unsere beiden Grafiken öffnen Tür und Tor für Kritiker. Wir können die Statistik Experten schon die Hände über dem Kopf zusammenschlagen sehen. In der Praxis arbeiten wir notgedrungen mit jenen Werten, die uns zur Verfügung stehen. Mit den ausführlichen Hinweisen zur Methodik kann jeder Leser selbst darüber entscheiden, für wie plausibel er das hält. Hier noch einmal die Ansätze für Kritik im Überblick:

  1. Wir führen unterschiedliche Studienergebnisse zusammen, die nicht alle zum selben Zeitpunkt erhoben wurden.
  2. Das internationale Verhältnis von aktiven Facebook Nutzern und aktiven Facebook Messenger Nutzern ist nur ein Indikator. Die nationalen Messengermärkte unterscheiden sich bekanntlich erheblich.
  3. Die Verwendung von mehreren Messengern durch die Nutzer wird nicht akkurat berücksichtigt.

Topics: Chat

Ben Ellermann

geschrieben von Ben Ellermann

Als Senior Consultant berate ich bei buw digital Unternehmen beim Aufbau und der Umsetzung digitaler Kommunikationsprojekte, vom Dialog 2.0, über Blog und Chat, bis hin zur Enterprise 2.0 Lösung. Ich bin Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Community Management e.V. für digitale Kommunikation und Social Media. Außerdem prüfe ich bei der Prüfungs- und Zertifizierungsorganisation der deutschen Kommunikationswirtschaft Social Media Manager. Sieben Jahre lang habe ich im Community Management des Sozialen Netzwerks stayblue mit 600.000 Mitgliedern mitgewirkt. Nach einer ehrenamtlichen Phase habe ich das plattformeigene Online Magazin aufgebaut und mehrere Jahre die Redaktion geleitet. Zuletzt verantwortete ich bei stayblue als Leiter des Community Managements die gesamte Plattform. Ab Mitte 2012 habe ich in der Funktion eines Senior Konzeptioner Social Media bei der buw Unternehmensgruppe an der Entwicklung von digitalen Angeboten im Bereich des Kundendialogs mitgewirkt. Aus der Arbeitsgruppe ist die neue Gesellschaft buw digital entstanden.

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